
Kritik an Sozialhilfekürzungen: Caritas NÖ startet Haussammlung
Rund 11.660 Menschen in Niederösterreich sind auf Sozialhilfe angewiesen. 190.000 Menschen gelten als armutsgefährdet und 67.000 leben in absoluter Armut. Weitere geplante Kürzungen im Sozialbereich drohten armutsgefährdete Menschen noch weiter abzuhängen, warnt die Caritas. Maßnahmen wie die Anhebung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge bei Niedrigverdienenden, die fortgesetzte Nichtvalorisierung von Familienleistungen oder die Wiedereinführung der Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe würden das soziale Netz weiter ausdünnen, erklärte Caritasdirektor Hannes Ziselsberger bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. In den kommenden Wochen startet die Hilfsorganisation ihre 76. Haussammlung, bei der rund 3.000 Freiwillige aus den Pfarren für Menschen in Not sammeln.
"Rund 11.600 Menschen in Niederösterreich sind auf Sozialhilfe angewiesen. Das sind keine abstrakten Zahlen. Das sind Familien, die abends überlegen, ob sie die Heizung aufdrehen oder Strom sparen. Alleinerziehende, die ihren Kindern erklären müssen, warum sie beim Schulausflug nicht dabei sein können", so Ziselsberger weiter. Dabei müssten Menschen auch an sozialer Teilhabe einsparen, erklärte Tamara Majnek, Armutsexpertin und Fachbereichsleiterin Caritas Inlandshilfe. "Viele ziehen sich zurück, weil selbst kleine Ausgaben nicht mehr möglich sind."
Fakten statt Mythen
Generalsekretär Christoph Riedl räumte mit hartnäckigen Missverständnissen auf: "Kaum eine Leistung der öffentlichen Hand wird so emotional diskutiert wie die Sozialhilfe. Bilder von Hängematten und dem Ausruhen in der Sozialhilfe werden wiederholt - auch wenn sie nicht stimmen." Tatsächlich machten in Niederösterreich die Sozialhilfeausgaben gerade einmal 0,64 Prozent des Landesbudgets aus - 60 Millionen Euro von insgesamt 9,4 Milliarden. "Jede Ankündigung der Politik, bei der Sozialhilfe sparen zu wollen, bringt keine Millionen ins Budget, sondern erhöht den Druck auf Menschen, die ohnehin nicht viel zum Leben haben."
Ein einschneidendes Ereignis - Jobverlust, Krankheit, Trennung - reiche oft aus, um eine Familie in eine akute Notlage zu treiben, fuhr Riedl fort. Von den 11.663 Beziehern von Sozialhilfe kann mehr als die Hälfte - rund 7.000 Personen - kein eigenes Einkommen verdienen. Die größte Gruppe sind Kinder unter 15 Jahren (47 Prozent, 3.294 Kinder), gefolgt von Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (18,9 Prozent), und Personen im Pensionsalter (13,4 Prozent). Der durchschnittliche Bezug lag bei 786 Euro pro Monat - für im Schnitt 8,1 Monate.
Sozialberatung: Bedarf bleibt hoch
Der Bedarf an Sozialberatung der Caritas bleibe hoch, erläuterte Majnek. Die Problemlagen würden zunehmend komplexer: Zu Wohn- und Energiekosten kämen psychische Belastungen und gesundheitliche Probleme hinzu. 2025 gab es laut Caritas 12.478 Kontakte mit Klientinnen und Klienten, davon 42 Prozent Erstkontakte. 16 Prozent der Hilfesuchenden waren alleinerziehend - fast dreimal so viel wie in der Gesamtbevölkerung (6 Prozent). Insgesamt wurden 769.212 Euro an Unterstützungszahlungen geleistet.
In den kommenden Wochen beteiligen sich 3.000 Freiwillige an der Solidaritätsaktion der Caritas, gehen von Tür zu Tür und bitten um Spenden für Hilfsbedürftige. Zudem "hören sie zu, erklären und bauen Brücken zwischen jenen, die etwas geben können, und jenen, die etwas brauchen", hieß es seitens der Caritas. Das mache sie zu Botschaftern der Nächstenliebe, erklärte Ziselsberger. Zehn Prozent des Sammelergebnisses bleiben in der jeweiligen Pfarre für konkrete Hilfsprojekte vor Ort. Der Rest fließt in Einrichtungen und Projekte der Caritas in der Diözese St. Pölten, etwa in Sozialberatung, Sozialmärkte, Mutter-Kind-Häuser und die Soforthilfe nach Naturkatastrophen. 2025 wurden 700.600 Euro an Spenden erzielt.(Caritas Spendenkonto: IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000; Kennwort: Haussammlung; Online-Spenden unter www.caritas-haussammlung.at)
Quelle: kathpress