
Scheuer: Gebet als Solidarität und Widerstand gegen den Ukrainekrieg
Auf das "Widerständige" des Gebets und seine solidarisierende Kraft vor dem Hintergrund des Ukrainekrieges hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer hingewiesen. Das Beten zu Gott gebe sich nicht zufrieden mit dem Ist-Zustand und arbeite an einer Welt, die anders und besser sein solle, sagte er bei einem Ökumenischen Friedensgebet am Dienstagabend im Linzer Alten Dom aus Anlass des vierten Jahrestags des russischen Angriffs auf die Ukraine. "Beten ist der Testfall der Hoffnung, dass Gewalt und Tod nicht das letzte Wort haben. Und Beten ist ein Protest gegen die Resignation und Gleichgültigkeit", so der Bischof laut einer Aussendung der Diözese vom Donnerstag.
Dem Friedensgebet mit der Gemeinde der in Linz ansässigen Ukrainischen griechisch-katholischen Seelsorgestelle "Hl. Josaphat" unter Seelsorger Andrii Kityk standen außer Bischof Scheuer auch der Linzer Pfarrer Martin Füreder, Pastoralvorständin Monika Weilguni und Verwaltungsvorstand Robert Janschek sowie Kirchenrektor Slawomir Dadas vor. Unter den Gästen waren Altlandeshauptmann Josef Pühringer, zugleich Leiter der Pro Oriente Sektion Linz, Odessas Gouverneur Oleh Kiper und Landtagspräsident Max Hiegelsberger. Es musizierte der Pfarrchor unter Andrii Opamashchuk.
Scheuer bezeichnete in seiner Predigt das Friedensgebet als "stammelnden Ausdruck der Verbundenheit mit dem ukrainischen Volk". In den letzten Jahren hätten sich "zu viele an den Krieg gewöhnt, ihn auf die Seite gedrängt oder gar vergessen", weshalb sich das ukrainische Volk vergessen, allein und im Stich gelassen fühle. Das gemeinsame Gebet solle zudem zur Tat und zu konkreter Hilfe führen. Als konkrete Hilfeleistung wurde bei dem Abend eine Sammlung für die Caritas Tscherkassy durchgeführt zur Unterstützung von Kiewer Familien, die besonders von der winterlichen Kälte betroffen sind.
Für den Angriff Russlands fand der Linzer Bischof sehr klare Worte: Der Krieg in der Ukraine sei ein "absurder Wahnsinn, Terror und Aggression" und eine "unermessliche Tragödie" - die Bomben und Raketen auf Städte, die systematischen Attacken auf Gesundheits- und Stromversorgung, die Leichen mit Folterspuren, die getöteten, verletzten oder zu Waisen gemachten Kindern, auch der Schmerz der Mütter und die hunderttausenden gefallenen Soldaten. Bei allen Opfern handle es sich um "Personen, geliebte Menschen mit Namen, Gesichtern und konkreten Geschichten". Russland betreibe gezielte Vernichtung, "von Menschen, aber auch eines Volkes und einer Kultur".

Auf die weiterhin schwierige Situation für die Zivilbevölkerung der Ukraine wies Marion Huber vom Vorstand der Caritas OÖ hin. Das betreffe die Menschen vor Ort, die derzeit den härtesten Kriegswinter erlebten, auch die nach Österreich Geflüchteten, deren anfängliche Hoffnung auf Rückkehr zunehmend schwinde. In Oberösterreich betreue die Caritas derzeit an die 550 Menschen aus der Ukraine, deutlich weniger als unmittelbar nach Kriegsausbruch, als diese Zahl 2.000 betrug. Viele seien inzwischen längst im Arbeitsmarkt integriert. Nicht gelungen sei dies vor allem bei älteren und chronisch kranken Menschen, deren Integration weiterhin herausfordernd sei. Huber appellierte zu Spenden als "Solidarität im Sinne der Menschlichkeit" und sagte weitere Hilfe der Caritas zu.
Stunden zuvor hatte Bischof Scheuer im Linzer Bischofshof eine Delegation rund um Bischof Dmytro Hryhorak empfangen. Der Ordinarius der Eparchie (Diözese) Buchach der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in Europa berichtete von der verzweifelten Situation seiner Gläubigen vor Ort. Begleitet wurde er dabei u.a. von den Priestern Volodymyr Hrabyk und Anton Krushelnytskyi.
Quelle: Kathpress