Sunday 28. August 2016

Abschied | üben

Einem Wort des Schriftstellers Elias Canetti zufolge besteht die größte Anstrengung des Menschen darin, "sich nicht an den Tod zu gewöhnen": Er ist unausweichlich, dennoch will niemand wahrhaben, dass er sterben wird. Alles beginnt mit einem ersten Atemzug - aber es endet auch mit einem solchen. An diese bittere Wahrheit erinnert Allerheiligen & Allerseelen.

 

Wo immer der Tod dem Menschen zu nahe kommt, wird sogleich nach Erklärungsmustern, nach Gründen und Anlässen gesucht. Wer indes tiefer gräbt, wer sich der Nacht aussetzt, "die kein menschliches Licht erhellt" (Max Horkheimer), der kommt rasch an denkerische Weggabelungen. Die breiten Wege führen dabei in die Kirchen oder aber in einen achselzuckenden Agnostizismus.

 

 

Auf dem Marktplatz der "Kontingenzbewältigungsangebote" sind Religionen noch immer ein "big player", der mit reicher Tradition und der Kraft des Evangeliums den "Tod des Todes" (Egon Kapellari) verkündet. Aber auch die agnostizistische Gleichgültigkeit, die oftmals in banale Diesseits-Attitüden mündet, erfreut sich großer Beliebtheit.

 

Allerheiligen & Allerseelen führt nicht in erster Linie den eigenen Tod vor Augen, sondern es führt an den äußersten Punkt der Verzweiflung, den Tod des Anderen, vor dessen Grab man sich einfindet.

 

Was hat die biblische Tradition den an Trauer zu ersticken Drohenden tröstendes zu bieten? Billiger Trost kann es nicht sein, zu schmerzhaft verletzt der Stachel des Todes die Seele noch des überzeugtesten Gläubigen. Mehr noch: Wo immer man dem Tod des Anderen zu nahe kommt, wird das eigene Leben zum beschädigten Leben, zum nurmehrigen Über-Leben, das sich seiner ständigen Abschiedlichkeit bewusst wird.

 

 

Allerheiligen & Allerseelen führt somit nicht in erster Linie den eigenen Tod, die eigene Sterblichkeit vor Augen, sondern es führt an den äußersten Punkt der Verzweiflung, den Tod des Anderen, vor dessen Grab man sich einfindet. Der russische Religionsphilosoph Leo Schestow brachte es 1938 auf den Punkt, als er formulierte: "Gott sagen heißt, dem Tod widerstehen." Der Tod - er verleiht dem Denkenden "neue Augen". Das "Memento Mori", das Eingedenken des Todes, ist damit zugleich Einspurch gegen eine kalte Gleichgültigkeit gegenüber den Zeitläuften.

 

Der Gedanke, dass die Nacht, die kein menschliches Licht erhellt, auch von keinem göttlichen durchdrungen wird, ist ungeheuerlich. (Max Horkheimer)

 

Wer heute nicht mehr bereit und fähig sein mag, kirchlichen Trostzuspruch in der Not und Dunkelheit des Todes zu verstehen, dem sei als "Strohhalm der Hoffnung" folgender Satz Horkheimers ans Herz gelegt: "Der Gedanke, dass die Gebete der Verfolgten in höchster Not, dass die der Unschuldigen, die ohne Aufklärung ihrer Sache sterben müssen, und dass die Nacht, die kein menschliches Licht erhellt, auch von keinem göttlichen durchdrungen wird, ist ungeheuerlich". Diese Hoffnung, so notierte er, ist vielleicht das einzige, das ihn angesichts der Verzweiflung davon abhält, "hier alles dem Erdboden gleichzumachen".

 

von Henning Klingen

Kathpress/Katholisch.at

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