Monday 30. May 2016

Weltjugendtag in Rio

"Die Kirche rechnet mit euch! Der Papst rechnet mit Euch". Mit diesem Appell von Papst Franziskus ging am Sonntag der 28. katholische Weltjugendtag in Rio de Janeiro zu Ende. Rund drei Millionen Menschen waren nach Angaben der Stadtverwaltung an den Strand von Copacabana gekommen, um den feierlichen Abschlussgottesdienst des Glaubensfestes mit Franziskus zu feiern ("Papst: 'Geht und habt keine Angst zu dienen!'").

Welche Botschaft hatte der neue Papst für die Jugendlichen aus über 170 Ländern in Rio? "Ich hoffe, dass es als Konsequenz dieses Weltjugendtags Durcheinander geben wird! Hier in Rio gibt es Durcheinander und ich hoffe, dass es auch in den Diözesen Durcheinander geben wird", sagte er während einer Begegnung mit seinen Landsleuten aus Argentinien. Die Jugendlichen sollten ihren Elan in die Kirche einbringen und an ihren großen Idealen festhalten - auch wenn die Realität oft entmutigend ist, lautete die Botschaft des Papstes. Immer wieder rief er die Jugendlichen der Welt zu gelebter Barmherzigkeit und Nächstenliebe auf ("Jesus ist in Leid und Not immer nahe").

 

Franziskus' Auftritte erinnerten mit ihrem Schwung bisweilen an den jungen Papst Johannes Paul II. (1978-2005). Auffallend war auch, dass der Papst immer wieder zum Dialog zwischen den Generationen aufrief.

Klare Worte an die Politik

Franziskus hat während seines Besuchs nicht nur eine Botschaft für die Jugendlichen mitgebracht, sondern nach den jüngsten Massenprotesten auch klare Worte an die Politik in Brasilien gerichtet: Der konstruktive Dialog sei der einzige Weg für die gedeihliche Entwicklung einer Gesellschaft, so der Papst. Es brauche "eine Politik, die immer mehr und immer besser die Beteiligung der Bevölkerung verwirklicht, Formen des Elitebewusstseins vermeidet und die Armut ausmerzt", sagte er an die Adresse der Politik gerichtet.

Auch der Stadt Rio, die vor der Fußballweltmeisterschaft und den Olympischen Spielen Ruhe in den Armenvierteln schaffen will, erteilte er eine Lektion. Eine massive Polizeipräsenz reiche nicht aus, um eine Favela dauerhaft zu befrieden, solange die Armen weiterhin an den Rand gedrängt würden, sagte er. Ungewöhnlich konkret wurde Franziskus zudem beim Thema Drogen: Den Bestrebungen in einigen lateinamerikanischen Ländern leichte Drogen zu legalisieren, erteilte er eine klare Absage. ("Papst: Drogenhandel mutig bekämpfen")

"Kirche für die Armen"

Und schließlich demonstrierte der Papst aller Welt, was für ihn eine "Kirche für die Armen" jenseits von Predigtmanuskripten bedeutet: Er besuchte ein Armenviertel und traf sich mit Strafgefangenen und Drogenabhängigen ("Franziskus besucht Bewohner einer Favela"). Zugleich nutzte er die Gelegenheit, um über 1.000 katholischen Bischöfen aus der ganzen Welt persönlich zum Einsatz für die Armen zu ermahnen. Sie seien "die wahren VIPs, die wir in die Pfarren einladen müssen".

Nach den chaotischen Szenen mit einem Papst, der am Montag nach seiner Ankunft in der Innenstadt von Rio in einem Kleinwagen mit nur einer Handvoll Sicherheitskräften seinen Fans ausgeliefert zu sein schien, verlief der Besuch in den folgenden Tagen weitgehend ruhig und entspannt. Dass Franziskus von seinen Fans Geschenke wie Bonbons in seinen offenen weißen Jeep geworfen wurden und immer wieder Einzelne bis zu seinem Auto vordrangen, störte ihn offenbar nicht. Die Präsenz der Sicherheitskräfte war stark, aber in der Regel nicht störend. Auch vereinzelte Proteste gegen die Reise beeinträchtigen die unbeschwerte Atmosphäre des Weltjugendtags nicht, eher schon die schweren Regenfälle in den ersten Tagen. Dass die Organisation nicht perfekt war, gestand Rios Bürgermeister selbst freimütig ein: Das U-Bahn-Chaos und die kurzfristige Verlegung der Abschlussveranstaltungen an die Copacabana waren nur zwei der zahlreichen Pannen.

Reise voller Überraschungen
Die erste Reise des neuen Papstes war nicht zuletzt auch eine Reise voller Überraschungen: Es fing schon vor dem Abflug an: Wer hatte je einen Papst gesehen, der seinen Aktenkoffer selbst ins Flugzeug trägt? Dann im Flugzeug: Alle warteten darauf, was der Papst zum Weltjugendtag zu sagen hat, und der spricht über die gesellschaftliche Ausgrenzung alter Menschen. Nach seiner Ankunft machte schließlich der silbergraue Fiat Idea Furore, mit dem er sich durch Rios Innenstadt fahren ließ. Franziskus Spontanität zeigte sich auch im Programm: Einmal ließ er kurzerhand 35 Müllsammler aus Argentinien zu sich auf die Bühne setzen, ein anderes Mal ließ er sich "tete a tete" mit Ordensschwestern fotografieren. "Der Papst hat so viel Schwung, dass er uns stresst", scherzte Vatikansprecher Federico Lombardi. "Selbst mich überrascht er oft mit seiner Energie."

 

Schönborn bei Österreicher-Treffen: "Papst spricht Menschen ins Herz"
Franziskus schaffe es mit seiner Einfachheit, abseits jeden Populismus den Menschen ins Herz zu sprechen, sagte Kardinal Christoph Schönborn beim traditionellen "Österreicher-Treffen" im Rahmen des Weltjugendtags. Zusammen mit dem Grazer Weihbischof Franz Lackner und Bundesjugendseelsorger Jean-David Lindner begleitete Wiens Erzbischof rund 560 Jugendliche aus allen österreichischen Diözesen nach Rio.

 

Organisiert wurden die insgesamt zehn Reisegruppen teils von der Katholischen Jugend; daneben boten mehrere Gemeinschaften - Jünger-, Johannes- und Loretto-Gemeinschaft -, die Salesianische Jugendbewegung und die Wiener Pfarre St. Rochus eigene Fahrtvarianten an. Einige Jugendliche aus Österreich reisten schon im Vorfeld des eigentlichen Weltjugendtags nach Brasilien, wo sie in verschiedenen Diözesen des Landes an sogenannten "Missionswochen" (Semanas Missionarias) teilgenommen und in Gastfamilien gelebt oder Sozialprojekten besucht haben.

 

Auf der österreichischen Weltjugendtagswebseite "www.weltjugendtag.at" finden sich zahlreiche Blogbeiträge der verschiedenen Pilgergruppen mit Berichten, Fotos und Videos aus Brasilien.

 

 Quelle: Kathpress/red

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