Sonntag 28. Mai 2017
19. Juni 2013

Vor 25 Jahren: Papst Johannes Paul II. in Österreich

Besuch vom 23. bis 27. Juni 1988 stand unter dem Motto "Ja zum Glauben - ja zum Leben" und war auch von Spannungen innerhalb der katholischen Kirche in Österreich geprägt

Vor 25 Jahren, vom 23. bis 27. Juni 1988 besuchte Johannes Paul II. Österreich. Es war dies der zweite Besuch des polnischen Papstes nach 1983. Ein dritter folgte vor genau 15 Jahren, vom 19. bis 23. Juni 1998.

 

Der Papstbesuch 1988 stand unter dem Motto "Ja zum Glauben - ja zum Leben". Die Gläubigen in Österreich bereiteten dem damals 68-jährigen Papst einen herzlichen Empfang. Freilich waren die innerkirchlichen Spannungen nach umstrittenen Bischofsernennungen damals bereits deutlicher als noch 1983. Der Papst ging darauf auch ein. So warnte er etwa im Rahmen eines Gottesdienstes in Enns-Lorch vor "aggressiver Kritik in der Kirche" und vor "erbitterter Konfrontation unter den Christen selbst" und forderte Bereitschaft zum Gespräch untereinander. Ohne Einheit mit den Bischöfen könne es auch keine Einheit mit Christus geben, stellte der Papst den extremen Rändern in der Kirche die Rute ins Feuer.

 

Hintergrund der mahnenden Papstworte waren u.a. die Auseinandersetzungen um die Bischofsernennungen in den Jahren zuvor: Hans Hermann Groer wurde 1986 Erzbischof von Wien, Kurt Krenn 1987 Weihbischof in Wien. Auch die Neubesetzung des Bischofsstuhls von Feldkirch stand in Aussicht. Als aussichtsreicher Kandidat wurde neben Weihbischof Krenn der Regionalvikar des Opus Dei in Österreich, Klaus Küng, genannt, was auch in manchen Kreisen auf heftige Kritik stieß.

 

Der Papstbesuch im Juni 1988 war von einem dichten Programm geprägt: Nach seiner Ankunft am Flughafen Wien-Schwechat am Donnerstag, 23. Juni, feierte der Papst einen Vespergottesdienst im Stephansdom. Anschließend kam es zu einer Begegnung mit dem Bundespräsidenten, der Bundesregierung und dem Diplomatischen Corps in der Wiener Hofburg.

 

Am Freitag, 24. Juni, standen eine Begegnung mit der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien sowie ein Festgottesdienst in Trausdorf an der Wulka im Burgenland auf dem Programm. Noch am gleichen Tag reiste der Papst weiter nach Mauthausen zu einer Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager. Am Abend schließlich stand noch eine Begegnung mit den österreichischen Bischöfen in Salzburg auf dem Programm.

 

Am Samstag, 25. Juni, feierte der Papst mit den Gläubigen ein "Fest der Begegnung" in Enns-Lorch und eine Messe in Gurk. Eine Begegnung mit Alten, Kranken und Behinderten im Salzburger Dom stand am Sonntag, 26. Juni, in Salzburg auf dem Programm. Darauf folgte ein Festgottesdienst auf dem Residenzplatz. Weiters traf der Papst mit Jugendlichen zusammen und im Salzburger Festspielhaus mit Vertretern von Wissenschaft, Kunst und Publizistik. Der Sonntag wurde schließlich mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche in Salzburg abgeschlossen.

 

Am Montag, 27. Juni, feierte Johannes Paul II. mit zahlreichen Gläubigen einen Gottesdienst im Innsbrucker Berg Isel-Stadion. Danach kam es im Innsbrucker Olympia-Stadion zu einer Begegnung mit Kindern. Den Abschluss des Besuchs bildete eine Marienvesper in der Basilika Wilten bevor Johannes Paul II. am Abend zurück nach Rom flog.

 

"Brückenfunktion" Österreichs zu Osteuropa

 

Johannes Paul II. rief bei seinem Österreich-Besuch mehrfach zu einer Neuevangelisierung ganz Europas auf. Im Gegensatz zu 1983 hatten sich in diesem Jahr die Grenzen zu den kommunistischen Nachbarländern bereits einen Spalt geöffnet. Zum Papstgottesdienst im burgenländischen Trausdorf am 24. Juni kamen 50.000 Ungarn, 15.000 Kroaten sowie einige Tschechen, Slowaken und Polen, zur Drei-Länder-Wallfahrt in Gurk (25. Juni) Tausende Slowenen. In Trausdorf plädierte der Papst für einen "schöpferischen Erneuerungsprozess für ein geeintes Europa" und unterstrich die "Brückenfunktion" Österreichs zu Osteuropa.

 

Österreich hatte zum damaligen Zeitpunkt durch die "Causa Waldheim" international einen schweren Stand, der sich auch auf den Besuch des Papstes auswirkte. Heftige Kritik kam etwa vom Jüdischen Weltkongress wegen des Zusammentreffens von Johannes Paul II. mit Präsident Kurt Waldheim. Auch in Wien gab es einige kleine Protestkundgebungen.

 

Mit höchstem Interesse wurde deshalb auch das Zusammentreffen des Papstes mit Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinden in der Wiener Nuntiatur am 24. Juni verfolgt. Präsident Paul Grosz beklagte, dass die Ereignisse in Österreich in den vergangenen beiden Jahren gezeigt hätten, dass "viele Österreicher mit ihrer Vergangenheit nicht ins Reine gekommen" seien. Er erwartete sich vom Papst in dieser Beziehung auch klare Worte zur Vergangenheitsbewältigung.

 

Johannes Paul II. stellte allgemein klar: Der Prozess der Versöhnung zwischen Juden und Christen müsse mit aller Kraft weitergeführt werden, genauso entschieden sei jede Form von Antisemitismus abzulehnen. Es wäre aber ungerecht, die Nazi-Verbrechen dem Christentum anzuhängen.

 

Ohne konkreten Bezug blieb auch der Besuch des Papstes im Konzentrationslager Mauthausen am 24. Juni, wo Johannes Paul II. u.a. mit ehemaligen Häftlingen zusammentraf und der Opfer des NS-Terrors gedachte. Dabei kam auch der inzwischen seliggesprochene Märtyrer Franz Jägerstätter zur Sprache.

 

Einsatz für das menschliche Leben

 

Ein Dauerthema aller Papstbesuche: Der Einsatz der Kirche für das menschliche Leben, auf das der Papst bei diesem Besuch in besonders berührender Weise beim Morgengebet mit alten, kranken und behinderten Menschen in Salzburg (26. Juni) hinwies.

 

45.000 Gläubige jubelten dem Papst dann schließlich noch am letzten Tag seines Besuchs (27. Juni) im Innsbrucker Berg Isel-Stadion zu. Die menschliche Seite des Papstes kam dann noch besonders beim Kinderfest im Innsbrucker Eisstadion zur Geltung: Der Papst spielte mit den Kindern Ball, ließ sein Redemanuskript beiseite und sprach frei zu den 18.000 Kindern. Dass er dabei hoffnungslos das Zeitprotokoll überschritt, ließ ihn völlig unbeeindruckt.

 

Mehr Sorgen bereitete ihm da schon die österreichische Kirchenkrise, sodass er bei seiner Abschlussansprache allen Verantwortlichen nochmals das "hohe Gut der Einheit" ins Stammbuch schrieb.

 

Quelle: Kathpress

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