Dienstag 23. Mai 2017
20. Oktober 2014

"Lieber gut als schnell arbeiten"

Rektor der KTU-Linz: "Erstmals verdient eine Synode wieder das Wort Synode" - Bei Fortsetzung 2015 "überreife" Reformen vornehmen.

"Erstmals verdient eine Synode wieder das Wort Synode": Mit diesen Worten hat Prof. Franz Gruber, Rektor der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz (KTU) und dort Dogmatiker, auf die am Sonntag beendete Bischofssynode zu Ehe und Familie zurückgeblickt. Es habe keine vorbereiteten Reden und dadurch eine echte Auseinandersetzung mit den Themen gegeben, es sei "endlich wieder induktiv und nicht deduktiv" gearbeitet worden, sagte Gruber in einem Interview mit dem "Standard" (Montag). In Bezug auf nicht erfüllte Erwartungen sagte Gruber, "auch wenn ich mir persönlich oft wünsche, dass schneller gearbeitet wird, muss man sagen: lieber gut als schnell".

 

Nach Einschätzung des Linzer Theologen wurde bei der Versammlung durch die offenen Debatten "das Eis gebrochen". Das zeige sich vor allem im mit großer Mehrheit angenommenen Zwischenbericht, wo nicht nur die "zu erwartende" konservative Haltung vorkam. "Die vielen anderen offenen Positionen haben überrascht", zeigte sich Gruber erfreut darüber, "dass hier substanziell etwas weitergegangen ist".

 

Es handle sich bei den besprochenen Ehe- und Familienfragen um Reformthemen, die wohl einen langen Prozess der Auseinandersetzung erforderten. "Man darf nicht vergessen: Fast 40 Jahre war keine Diskussion etwa zum Thema Familie möglich", wies Gruber hin. Auch sei die katholische Kirche "kein Debattierklub, wo man es allen recht machen kann".

 

Zugleich hielt der Dogmatikprofessor fest: Die Zeit sei "überreif" für Reformen, die dann 2015 erfolgen müssten. "Das ist eine der letzten Chancen der Kirche in dieser modernen Zeit, sich hinein- und nicht mehr über die Menschen zu stellen." Sie müsse den Mut haben, auf die veränderte Welt aktiv zuzugehen "und nicht nur zuzuschauen, zu jammern und dabei depressiv zu werden". Überholt sei auch der kirchliche Zentralismus im Sinne eines "Roma locuta, causa finita" ("Rom/der Vatikan hat gesprochen, damit ist die Sache entschieden", d. Red.). Rom müsse vielmehr eine "Dienstleistungsstelle für die Ortskirchen" werden, sagte Gruber.


Quelle: Kathpress

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