Dienstag 6. Dezember 2016
07. November 2014

25 Jahre Mauerfall

Vor 25 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer - es war ein epochales Ereignis mit Strahlkraft und Herausforderungen bis heute. Auch für die Kirchen.

Die Leipziger Nikolaikirche im Oktober 1989: Immer mehr Menschen strömen zu den regelmäßigen Friedensgebeten, immer mehr Menschen schließen sich den Demonstrationszügen an, schließlich ziehen trotz massiven Polizeiaufgebots am 9. Oktober rund 70.000 Demonstranten unter den Augen der Weltöffentlichkeit durch die Stadt und skandieren "Wir sind das Volk" und ihren Wunsch nach Freiheit - ein Wunsch, der schließlich einen Monat später, am 9. November 1989, mit dem Fall der "Berliner Mauer" symbolträchtig in Erfüllung gehen sollte.

 

Inmitten dieses "Moments der Demokratie" (C. Crouch) notierte der Arbeiter Peter S. in einem Brief an seinen Enkel in der Schweiz:

 

Die Nikolaikirche füllt sich und ist bald überfüllt. Dabei ist noch viel Zeit bis zum Friedensgebet. Friedensgebet, was das bloß ist? Ich bin nicht gläubig, aber getauft wie Du, trotzdem bin ich hier. Warum? Ich schaue mich um. Wo sind sie, die Rowdys? Die, die die öffentliche Ordnung stören und 'staatsfeindliche Parolen' schreien. Ich sehe nur Menschen, die so sind wie ich ... Sind das die Christen? Aber ich bin ja auch still, weil ich in Gedanken bin. In Gedanken bei Dir. Bin ich auch ein Christ?

 

Was war tatsächlich der Beitrag der Christen zur "Wende"? Lässt sich neben dem immer wieder unterstrichenen Beitrag Papst Johannes Pauls II. zur Formierung etwa des polnischen Widerstandes auch ein Beitrag der christlichen "Basis" ausmachen?

 

Ein knappes halbes Jahr nach der "Wende" räumte der damalige Erfurter Bischof Joachim Wanke in einem Hirtenbrief ein, dass Christen "Buße nötig" hätten: "Jeder von uns wird bedenken müssen, wo er – mit oder gegen seinen Willen – in die allgemeine Unwahrhaftigkeit dieses Landes mitverstrickt war." Bekannt auch ein Wort des ehemaligen Berliner und späteren Kölner Erzbischofs Joachim Meisner: "Wenn ich gewusst hätte, dass der Laden nur noch zwei Jahre hält, wäre ich frecher gewesen."

 


Weitere Meldungen zum Mauerfall-Jubiläum

 

» 1989: Frucht der Friedensgebete
» Zulehner: "Kirchen ringen um Freiheitskultur"
» Die "Wende" und die Folgen für die Kirchen
» Christ in Ostdeutschland: Eine Herausforderung

 

 

 

 

 


 

Folgt man dagegen dem Erfurter Kirchenhistoriker Prof. Josef Pilvousek, so wurden offene Pfarrhäuser und Kirchen zu Orten geistiger Dissidenz, in denen der Samen zum Widerstand gelegt wurde. Direkten Widerstand in jenen dramatischen Tagen hat die katholische Kirche zwar nicht geübt, doch darf sie sich zumindest als Wegbereiterin der Zivilgesellschaft verstehen. Pilvousek: "So darf zu Recht behauptet werden, dass sich unter dem Schutz der Kirchen und durch sie vorbereitet der Wille des Volkes artikulieren konnte. Innerhalb des katholischen 'Gettos' fand also eine bemerkenswerte Einübung in demokratische Spielregeln statt."

 

Heute, 25 Jahre nach dem Mauerfall, ringen die Gesellschaften Ost- und Mitteleuropas indes weiterhin um eine "Freiheitskultur". Das hat im Interview mit "Kathpress" der Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul M. Zulehner unterstrichen. Es gebe nach wie vor den "homo sovieticus", der mit seiner Meinung lieber hinter dem Berg halte, sowie Regierungen wie in Russland oder Ungarn, die nicht mehr kommunistisch, aber auch nicht westlich-demokratisch agierten. In diesen Gesellschaften, die "selbst noch auf der Suche nach der Freiheit" seien, falle auch den Kirchen eine Neupositionierung schwer, sagte Zulehner. Es werde noch Jahre dauern, bis sich die postkommunistischen Länder und die dortigen Kirchen konsolidiert hätten.

 

zuletzt bearbeitet von Henning Klingen

am 7. November 2014

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