Samstag 10. Dezember 2016
08. November 2014

Kirchen zum Schutz der Nahost-Christen verpflichtet

Festakt und Festgottesdienst zum 50-Jahr-Jubiläum der Stiftung Pro Oriente mit Patriarch Bartholomaios, Papst-Patriarch Tawadros II. und Kardinal Koch.

Mit einem Festakt und einem Festgottesdienst hat die ökumenische Stiftung Pro Oriente am Samstag ihr 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Zu dem ökumenischen Gipfeltreffen konnte der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung u.a. den Ökeumenischen Patriarchen Bartholomaios I., den koptischen Papst-Patriarchen Tawadros II. und den vatikanischen Ökumeneminister Kardinal Kurt Koch in Wien begrüßen. Die Zukunft der Ökumene und auch die Zukunft von Pro Oriente hänge entscheidend von der jungen Generation ab, so Schönborn. Zugleich seien alle christlichen Kirchen gemeinsam dazu aufgerufen, ihre Stimme für die bedrängten Christen im Orient zu erheben, die unterdrückt und verfolgt würden und nicht selbst ihre Stimme erheben könnten.

 

Zum Dialog und zur Versöhnung gibt es keine Alternative, auch wenn es bis zur Einheit der Kirchen noch ein weiter Weg ist, betonte Patriarch Bartholomaios in seiner Festansprache im Festsaal des Universität Wien. Als große offene Fragen im Verhältnis zwischen Orthodoxer und Katholischer Kirche nannte er die Stellung des Papstes sowie die mit Rom unierten Ostkirchen. Die aktuellen weltweiten Herausforderungen, seien es soziale oder auch ökologische, würden aber die Zusammenarbeit aller christlichen Kirchen unabdingbar machen, so Patriarch Bartholomaios.

 

Besondere Sorge bereitete auch dem Ökumenischen Patriarchen die Situation der Christen im Nahen Osten. Nicht Gewalt, sondern nur Dialog und Versöhnungsbereitschaft könnten zum Frieden im Heiligen Land und im gesamen Nahen Osten führen. Alle Kirchen gemeinsam müssten sich dafür einsetzen.

 

Einmal mehr würdigte der Patriarch auch die Verdienste der Stiftung Pro Oriente in den vergangenen 50 Jahren. In einer Atmosphäre der ökumenischen Offenheit und mit dem deutlich spürbaren Wunsch nach mehr Dialog sei viel Positives passiert, was vor 50 Jahren noch undenkbar gewesen sei.

 

Der koptische Papst-Patriarch Tawadros II. griff den Friedens- und Einheitsappell von Patriarch Bartholomaios auf. Gerade in jenen Ländern, wo Christen eine Minderheit sind, sei das gemeinsame Zeugnis der Einheit überlebensnotwendig. Wie das Oberhaupt der Koptisch-orthodoxen Kirche berichtete, sei in Ägypten vor kurzem ein gemeinsames Kirchengremium eingerichtet worden, in dem neben den Kopten auch die katholische, griechisch-orthodoxe und evangelische Kirche vertreten sind.

 

Der koptische Papst-Patriarch äußerte weiters den Wunsch, dass die Kirchen endlich zu einem gemeinsamen Termin für das Osterfest finden. Das wäre ein deutliches Zeichen der Verbundenheit und des Wunsches nach Einheit.

 

Ökumenischer Königsweg

 

Kardinal Koch sprach von einem "ökumenischem Königsweg", mit dem es Pro Oriente gelungen sei, in inoffiziellen Begegnungen die Ökumene in Gang zu bringen. Pro Oriente habe hier für die Katholische Kirche eine Vorreiterrole gespielt, für die es zu danken gelte. Der Präsident des päpstlichen Einheitsrates warnte zugleich vor der Gafahr, das in den vergangenen 50 Jahren in der Ökumene Erreichte zu vergessen und nur mehr von einer aktuellen Ermüdung zu sprechen.

 

50 Jahre Arbeit von Pro Oriente hätten zugleich gezeigt, dass das Gelingen des ökuemenischen Dialogs maßgeblich von den handelnden Personen abhängt. Umso wichtiger sei auch die Heranbildung junger aufgeschlossener Theologen, "die auch innovativ neue ökumenische Wege auskundschaften", so Koch. Er hob in diesem Zusamenhang die von Pro Oriente eingesetze Kommission junger katholischer und orthodoxer Theologen hervor.

 

Die Bedrängnis der Christen, vor allem im Nahen Osten, mache es eigentlich nicht länger möglich, einen ökumenischen Dialog wie bisher zu führen, appellierte Pro Oriente-Präsident Johann Marte an die anwesenden Kirchenoberhäupter. Es brauche dringend Initiativen zu mehr Einheit. Nur geeint könnten die Christen einen erfolgreichen Dialog mit andern Religionen führen, zeigte sich Marte überzeugt.

 

Die Erfahrung der vergangenen 50 Jahre zeige, so Marte, dass der theologische Dialog notwendig ist. Noch wichtiger aber sei die spirituelle Dimension der Ökumene, die sich in persönlichen Begegnungen konkretisiere. Er sei dankbar für viele solcher persönlicher Momente, in denen die Gemeinsamkeit der Kirchen deutlich wurde, so der Pro Oriente-Präsident.

 

Im Rahmen des Festaktes wurde an Kardinal Koch der Titel "Protektor der Stiftung Pro Oriente" verliehen. Die Laudatio hielt der Wiener Dogmatiker Prof. Jan-Heiner Tück.

 

Vor dem Festakt fand in der Wiener Schottenkirche ein ökumenischer Festgottesdienst statt. Die Kirchen müssten in einer Welt, die von so viel Trennung, Feindschaft und Krieg geprägt ist, ein Zeichen der Einheit geben, sagte Kardinal Schönborn in seiner Ansprache beim Gottesdienst. Das Bekenntnis des einen dreifaltigen Gottes verbinde die Kirchen trotz aller Unterschiede, so Schönborn.

 

An dem Festgottesdienst und Festakt nahmen Vertreter aller christlichen Kirchen in Österreich teil, darunter u.a. der lutherische Bischof Michael Bünker, der methodistische Superintendent und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Lothar Pöll, der koptische Bischof Anba Gabriel, der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, der altkatholische Bischof John Okoro, Erzdiakon Patrick Curran von der anglikanischen Kirche, Bischof Manfed Scheuer, Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbrigen, der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej, der armenisch-apostolische Alterzbischof Mesrob Krikorian und der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis). Weiters nahmen auch zahlreiche Vertreter der Ordensgemeinschaften in Österreich an der Feier teil.

 

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes oblag dem Chor der griechisch-orthodoxen Kirche, dem Chor der koptisch-orthodoxen Kirche, dem Chor der rumänisch-orthodoxen Kirche sowie die Wiener Choralschola.



Quelle: kathpress
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