Mittwoch 7. Dezember 2016
10. Januar 2016

Debatte um Asyl-Obergrenzen führt in Sackgasse

Caritas-Präsident plädiert in ORF-Interview für Aufbau tragfähiger Strukturen zur Integration statt politischer "Placebos mit schädlichen Nebenwirkungen"

Michael Landau

Die politischen Debatten um Asyl-Obergrenzen, "Asyl auf Zeit" oder die Kürzung der Mindestsicherung für Flüchtlinge führen in Sackgassen. Das hat Caritas-Präsident Michael Landau am Sonntag in einem Interview im ORF-TV-Religionsmagazin "Orientierung" betont. Statt derartiger "Placebos mit schädlichen Nebenwirkungen" müsse Österreich seine Bemühungen um tragfähige Strukturen zur Integration der Geflüchteten im Land verstärken. 2016 müsse zu einem "Jahr der Integration" mit einem Fokus auf Bildung, Sprache und Begegnung werden, sagte Landau. Als zentrale weitere Punkte forderte er mehr Hilfe in den Herkunftsländern und die Schaffung eines europaweiten Asylsystems mit einer EU-Asylbehörde und einheitlichen Verfahrens- und Entscheidungsstandards.

Er habe den Eindruck, dass die Politik mit Vorschlägen etwa zur Kürzung von Sozialleistungen oder der Diskussion um Obergrenzen "der Bevölkerung gegenüber Lösungskompetenz fingieren" wolle, meinte der Caritas-Präsident. Es gebe jedoch keine einfachen Lösungen. So lange der Krieg im Nahen Osten andauere, die Menschen in der Region nicht genug Hilfe erhielten und "solange mit Waffen viel Geld verdient wird, werden Menschen fliehen", sagte Landau. "Da braucht es europäische und internationale Antworten und nicht solche Sackgassen, wie sie derzeit in Österreich diskutiert werden."

"Wie soll das funktionieren?", fragte der Caritas-Chef etwa bezüglich einer Obergrenze für Asylanträge: "Wollen wir dem 101., der kommt, sagen: 'Geh zurück, notfalls auch in den Tod?' Das wird nicht funktionieren." Menschenrechte wie das Recht auf Asyl seien "nicht quotenfähig".

Die Menschen flüchteten aus unvorstellbaren Situationen und ließen sich auf ihrer Flucht vor Bomben und Granaten auch nicht durch Zäune aufhalten. Europa müsse eine humanitäre Antwort geben, die seiner Tradition entspreche, "und auch den Werten für die wir einstehen", so Landau.

"Mut zu Lösungen statt Neiddebatte"
Für "mehr Mut zu Lösungen" für eine Integration von Flüchtlingen statt einer "Neiddebatte" plädierten am Wochenende auch Caritas-Wien-Generalsekretär Klaus Schwertner und der Direktor der evangelischen Hilfsorganisation Diakonie, Michael Chalupka. In zwei Gastkommentaren in der aktuellen Ausgabe des Nachrichten Magazins "profil" kritisierten beide u.a. die jüngsten politischen Vorschläge zur Kürzung von Sozialleistungen für Flüchtlinge.

Die zuletzt politisch artikulierten "vermeintlichen Lösungen" für die Flüchtlingssituation, wie Obergrenzen, "Asyl auf Zeit" oder die Kürzung der Mindestsicherung, atmeten "pure Ratlosigkeit", schrieb Schwertner. "Zu glauben, dass schutzsuchende Frauen, Männer und Kinder in ihren zerbombten Häusern in Damaskus oder Aleppo bleiben, wenn in Österreich die Mindestsicherung gekürzt wird, ist nicht nur zynisch, sondern auch naiv."

Schon bisher hätten nur anerkannte Flüchtlinge Anspruch auf die Mindestsicherung, die diesen Menschen, ebenso wie anspruchberechtigen Österreichern, hierzulande "ein Leben in Würde und am Existenzminium sichern" solle, erinnerte der Generalsekretär der Wiener Caritas. Einmal mehr plädierte Schwertner auch für mehr humanitäre Hilfe direkt in den Krisenregionen. Wenn Österreich diese schon nicht aus Nächstenliebe verstärken wolle, "dann um Menschen Perspektiven zu geben und Gründe für ihre Flucht zu nehmen".

Die allermeisten Flüchtlinge in Österreich hätten das Ziel, so rasch wie möglich selbst für sich zu sorgen, betonte Diakonie-Chef Chalupka im "profil". Österreich müsse die Geflüchteten bei ihren Integrationsbestrebungen stärker unterstützen, appellierte er. Soziale Standards wegen der Flüchtlinge allgemein zu senken, werde hingegen "Ressentiments verstärken und die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben". Mindestsicherung selektiv für Flüchtlinge zu senken "schafft eine am Rande des Elends dahinvegetierende ethnisierte Unterschicht - mit allen bekannten Folgeproblemen", warnte der evangelische Pfarrer.

 

 

Quelle: kathpress

comments powered by Disqus
Fotogalerien zurück #weiter#
Pressekonferenz Biko 2016
Schönborn & Bünker
Herbstvollversammlung 2016
Bischofskonferenz
Schönborn in Ägypten
Verkündschafter
Kongress 7.-8. Oktober 2016
"DOCAT" Präsentation
Videos zurück #weiter#
image
Papst: Gebetsmeinungen
Dezember 2016
image
Pray. Skate. Live.
Passions of a fransican friar.
image
Cultus: Christkönig
Der Feiertag im Kirchenjahr
image
Im Zeichen der Ökumene
Schönborn und Bünker in Eisenstadt
image
Papst: Gebetsmeinungen
November 2016
Audio zurück #weiter#
Kardinal Schönborn
Wissenschaft und Glaube
"Wir brauchen das Ehrenamt"
Freiwilligenmesse-Initiator Walk
"Gemeinsam am Weg"
KJ-Vorsitzende zu 70 Jahre KJ
70 Jahre KJÖ
Jugendbischof Turnovszky
Menschenpflichten?
Jan & Aleida Assmann im Gespräch
Tipps zurück #weiter#
Orientierung
So., 11.12. | 12:30 | ORF 2
Radiogottesdienst
So., 11.12. | 10:00 | ÖR
Radiogottesdienst
Do., 8.12. | 10:00 | ÖR
Maria im Müll
Do., 8.12. | 19:52 | ORF 2
Advent in Vorarlberg
Do., 8.12. | 17:05 | ORF 2
Woanders zurück #weiter#
Dezember 2016
Die katholisch.at-Presseschau
November 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Oktober 2016
Die katholisch.at-Presseschau
September 2016
Die katholisch.at-Presseschau
August 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Blogportal
Paul Wuthe | 28.11.2016

Bundespräsidentenwahl mit zwiespältigen religiösen Signalen

Keine Wahlempfehlung, aber der Versuch einer Einordnung einer...
Paul Wuthe | 15.07.2016

"Die Kirche zahlt sehr wohl Steuern, und nicht wenig"

Mein Gastkommentar im Standard in Reaktion auf den Beitrag des Wiener...
Der Redaktionsblog | 30.06.2016

"Unablässig Trümmer auf Trümmer"

Manchmal möchte man aus der Haut fahren. Ist die Welt nicht verrückt...
Kalender
07.12.2016
Aktion zum Kauf-nix Tag
Der 8. Dezember, das Hochfest Mariä Empfängnis, ist schon lange für viele kein Feiertag mehr.... mehr »
07.12.2016
Aktion zum "Kauf Nix Tag"
Der 8. Dezember, das Hochfest Mariä Empfängnis, ist schon lange für viele kein Feiertag mehr.... mehr »
07.12.2016 | 06:00 | Graz
Rorate im Advent in der Pfarrkirche Graz-Kalvarienberg
Jeden Dienstag und Mittwoch in der Adventzeit um 6:00 Uhr in der Pfarrkirche mehr »
Medienreferat der
Österreichischen
Bischofskonferenz

Stephansplatz 4/6/1
A-1010 Wien
©2016 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
http://www.katholisch.at/
Darstellung: