Sonntag 28. Mai 2017
10. Januar 2016

Kirchen verstärken soziales Engagement

Neuer Leitfaden "Solidarische Gemeinde" des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich bietet Hintergrundinfos zu sozialen Fragen und praktische Beispiele für Sozialprojekte in Pfarrgemeinden

Mit einer neuen Broschüre will der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) den Pfarrgemeinden in Österreich Hintergrundinfos zu sozialen Fragen und konkrete Handlungsanregungen liefern, wie die Gemeinden ihr soziales Profil schärfen können. Die Broschüre steht unter dem Leitwort "Solidarische Gemeinde" und ist das Ergebnis des Prozesses "sozialwort 10+". An vielen krisenhaften Entwicklungen sei zu sehen, dass sich der gesellschaftliche Zusammenhalt aufzulösen droht, heißt es in der Broschüre. Immer mehr Menschen würden dadurch zu Verlierern. Die Kirchen seien durch ihre Grundlage, die Heilige Schrift, und ihre jeweiligen Traditionen aufgefordert, "für diejenigen einzutreten, deren Lebensgrundlagen und Lebensmöglichkeiten bedroht oder bereits in Frage gestellt sind".

Die Situation vieler Menschen sei bereits durch Anfälligkeit, Schutzlosigkeit und Unsicherheit geprägt. Sie bräuchten nicht nur materielle Unterstützung, sondern Teilhabemöglichkeiten und die Einbindung in soziale Netze. Die Gemeinden der Kirchen seien solche Netze. "Sie sind nahe bei den Menschen und können vor Ort, in der Nachbarschaft und in Partnerschaft mit anderen Akteuren im Bereich sozialer Arbeit wirken." Die Broschüre bietet zu Themenfeldern wie Existenzsicherung, Flüchtlinge oder Bettler Basisinformationen. Dabei wird auch mit Mythen wie "Die Mindestsicherung ermöglicht ein bequemes Leben", "Asylwerber nehmen uns Arbeitsplätze weg" oder "Bettler gehören alle zur Mafia" aufgeräumt.

Zu aktuellen Problemen führt die Broschüre weiters biblische Grundlagen an, die eine Orientierung bieten sollen. So wird zum Flüchtlingsthema etwa auf den Ausspruch Jesu "Ich war fremd, und Ihr habt mich aufgenommen" aus dem Matthäus-Evangelium verwiesen. Die Bibel sei von Anfang an durchzogen von Geschichten der Flucht und Migration, heißt es wörtlich und weiter: "Gottes Volk soll nie vergessen, dass es selbst fremd war in Ägypten und aus der Sklaverei geflohen ist. Auch Jesus kommt als Flüchtlingskind zur Welt". Die christlichen Kirchen seien durch Jahrhunderte Zufluchtsorte für Menschen in Not gewesen (Kirchenasyl). Daher würden die Kirchen bis heute weltweit für eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen eintreten. Kirchliche Hilfsorganisationen leisteten dabei einen unverzichtbaren Beitrag. Die Gemeinden seien Orte der Gastfreundschaft, wo Asylsuchende Aufnahme und Unterstützung finden.

Zum Themenfeld "Arbeitslosigkeit" verweist die Broschüre auf den biblischen Schöpfungsbericht: "Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre." Durch die Schöpfung berufe Gott alle Menschen zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Arbeit erhalte dadurch einen besonderen Stellenwert. Sie sei Ausdruck der Menschenwürde. Durch sie könnten Menschen nicht nur ihre Lebensgrundlagen erwirtschaften, sondern auch sich entfalten und ihre Begabungen zum Wohl aller einbringen. Umso belastender sei daher die Arbeitslosigkeit. Gemeinden könnten wohl nur begrenzt selbst Arbeitsplätze schaffen oder zur Verfügung stellen. Aber sie könnten Räume bieten, wo Betroffene zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen, hält die Broschüre fest.

Im dritten Teil der Broschüre werden schließlich konkrete Handlungsanregungen präsentiert, die von den Pfarrgemeinden umgesetzt werden könnten. Zum Beispiel ein in Salzburg erprobtes "Erzählcafe" mit Bettlern, Wärmestuben in Wiener Pfarren oder die Initiative "Kaffee Sospeso: Teilen & Genießen". Die Idee: In teilnehmenden Lokalen (rund um Pfarren) kann man zwei Kaffees bezahlen - einen für sich selbst und einen für jemanden, der es sich nicht leisten kann. Das gleiche Prinzip gilt auch für kleine Snacks. Eine Idee der Caritas-Vorarlberg: "Spaziergänger" als Begleiter für Menschen mit Demenz. Dahinter verbergen sich speziell geschulte Freiwillige, die Menschen mit Demenz regelmäßig von zu Hause abholen und Zeit mit ihnen verbringen, sei es beim Spazierengehen oder bei einem Kaffee.

Projekt Sozialwort
Mit dem "Sozialwort" von 2003 setzte der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) einen Meilenstein. Alle Mitgliedskirchen hatten an der Erarbeitung mitgewirkt und das Ergebnis schließlich angenommen. Damit war es gelungen, dass Kirchen westlicher und östlicher Tradition gemeinsam eine Orientierungshilfe für die sozialen Fragen der Zeit geben konnten.

Zehn Jahre später beschloss der ÖRKÖ, die Impulse des Sozialworts wieder aufzugreifen: Ein einjähriger Prozess "sozialwort 10+" wurde im Auftrag des ÖRKÖ von der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) geplant und durchgeführt. In einer Reihe von Veranstaltungen wurden bewährte Aspekte des Sozialworts diskutiert sowie neu aufgekommenen soziale Fragen thematisiert. Aus den inhaltlichen Ergebnissen dieses Prozesses "sozialwort 10+" entstand schließlich die neue Broschüre, an der Vertreter der Katholischen Sozialakademie, der Caritas und der Diakonie mitwirkten.

Offiziell vorgestellt wird die neue Broschüre "Solidarische Gemeinde" am 13. Jänner im Rahmen des Ökumenischen Empfangs von Kardinal Christoph Schönborn Wiener im Erzbischöflichen Palais. (Infos zur Broschüre: www.oekumene.at)

 

 

Quelle: kathpress

comments powered by Disqus
Fotogalerien zurück #weiter#
Hommage an Benedikt XVI.
Zum 90. Geburtstag
Bischöfe in Vorarlberg
Frühjahrsvollversammlung 2017
Bischof Scheuer im Irak
70 Jahre Kathpress
Festakt mit Promi-Faktor
Franziskus wird 80
Videos zurück #weiter#
image
Papst: Gebetsmeinungen
Mai 2017
image
Tag der Arbeitslosen
image
Ein gemeinsamer Ostertermin
Vortrag vonProf Groen
image
Papst: Gebetsmeinungen
April 2017
image
Hommage an Benedikt XVI.
Zum 90. Geburtstag
Audio zurück #weiter#
Aussöhnung in Sicht?
Der Vatikan & die Piusbrüder
"Kein Wahlkampfmodus"
Landau zur Kritik an NGOs
Interreligiöser Dialog
Statement von Kardinal Schönborn
Fischer predigt
Ehemaliger Bundespräsident
Kardinal Schönborn
Wissenschaft und Glaube
Tipps zurück #weiter#
Radiogottesdienst
So., 28. Mai | 10:00 | ÖR
Orientierung
So., 28.5. | 12:30 | ORF 2
Ordens-ABC
Die Ordensgemeinschaften Österreichs im Überblick
Woanders zurück #weiter#
Mai 2017
Die katholisch.at-Presseschau
April 2017
Die katholisch.at-Presseschau
März 2017
Die katholisch.at-Presseschau
Februar 2017
Die katholisch.at-Presseschau
Jänner 2017
Die katholisch.at-Presseschau
Blogportal
Paul Wuthe | 05.04.2017

Das Kreuz soll bleiben

Warum das Kreuz im Gerichtsaal die Unabhängigkeit der Rechtssprechung nicht...
Ulrike Hofstetter | 28.12.2016

Mundgerechte Happen - schwer verdaulich

Meine Freundin Frieda hat jetzt eine neue App auf ihrem Handy. Eine Bibel App.
Paul Wuthe | 14.12.2016

Katholische Kirche Anno Domini 2016

Ökumene, Familie, Flüchtlinge, Barmherzigkeit und Kirchenreform - die großen...
Kalender
28.05.2017 | Fernitz
Pfarrfest
28.05.2017 | St. Johann bei He...
Wohlfühltage
Urlaub miteinander für Frauen mehr »
28.05.2017 | St. Johann bei He...
Fasten mit Pferdeglück
Fastenwoche inklusive Energiearbeit mit Pferden mehr »
Medienreferat der
Österreichischen
Bischofskonferenz

Stephansplatz 4/6/1
A-1010 Wien
©2017 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
http://www.katholisch.at/
Darstellung: