Donnerstag 19. Januar 2017
15. Januar 2016

Intoleranz gegen Christen in Europa auf Vormarsch

Politikerin und Theologin Gudrun Kugler warnt vor Beschneidung von Erziehungsrecht der Eltern

Gudrun Kugler

Die Intoleranz gegenüber Christen und deren Diskriminierung ist in Europa auf dem Vormarsch. Das war Tenor bei einer Veranstaltung zum Thema "Christianophobie: werden Christen in Österreich diskriminiert?", die am Donnerstagabend in Wien stattgefunden hat. Am Podium diskutierten die Wiener Landtagsabgeordnete Gudrun Kugler (ÖVP) und der frühere Chefredakteur der "Presse" und der "Wiener Zeitung", Andreas Unterberger. Der ebenfalls vorgesehene "Profil" Journalist Georg Hoffmann-Ostenhof musste krankheitsbedingt kurzfristig absagen.

"Auch wenn man in Europa nicht von einer Verfolgungssituation wie in anderen Teilen der Welt sprechen kann, nimmt die Intoleranz gegenüber Christen und deren Diskriminierung immer weiter zu", betonte die Wiener Landtagsabgeordnete und katholische Theologin Gudrun Kugler. In den Medien und der Politik sei eine gewisse Gleichgültigkeit in Bezug auf christliche Themen zu spüren. "Die Christen sind weltweit die am meisten verfolgte Religionsgruppe, aber das wird fast nirgendwo zur Sprache gebracht", so Kugler. Im Gegenteil stünden Christen prinzipiell unter "Generalverdacht" und einem permanenten Rechtfertigungsdruck.

In Österreich seien Christen im europäischen Vergleich aber in einer relativ guten Position, so Kugler, die aber besonders im Bereich des Vandalismus und Gewalt eine steigende Tendenz sieht. 85 Prozent aller Akte von Vandalismus und Gewalt mit antireligiösem Motiv würden sich mittlerweile gegen Christen oder christliche Einrichtungen richten, das sei nicht akzeptabel.

Die "Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa" mit Sitz in Wien wurde von Kugler gegründet. Die Leitung des spendenfinanzierten Dokumentationsarchivs gab sie nach ihrer Wahl in den Wiener Landtag kürzlich ab. Ursprünglich befasste sich das Zentrum mit "Christianophobie". Dieser Begriff sei aber unzutreffend für die beobachteten Entwicklungen, weil damit eine "irrationale Angst" konotiert sei. Das Zentrum befasse sich aber mit bewusst gesetzten Akten, die auf eine Intoleranz und Diskriminierung abzielen, weswegen sie - Kugler - den Begriff "Christianophobie" mittlerweile für ungeeignet halte.

Eine vom Zentrum erstellten Studie weise europaweit 41 Gesetze aus, die Christen in ihrer freien Religionsausübung behindern. So gebe es Bestimmungen mit Beschränkungen der Rede- und Meinungsfreiheit, aber auch Regelungen, die die Rechte christlicher Eltern massiv beschränkten. Aus Deutschland und den skandinavischen Ländern seien Fälle bekannt, wonach Eltern, die ihre Kinder christlich erziehen und beispielsweise aus religiösen Gründen von gewissen Schulinhalten freistellen wollten, massive Probleme bekommen haben. Dies gehe soweit, dass den Eltern in einzelnen Fällen die Kinder für unbestimmte Zeit entzogen würden. "Für mich muss gewährleistet sein, dass die Eltern ihren Kindern die Wertehaltungen frei vorgeben dürfen", so Kugler, die vor einer Entmündigung der Eltern durch den Staat warnte.

Kritik an Medien
"Christen werden medial aber auch in der politischen und juristischen Praxis diskriminiert." Das konstatierte der Journalist Andreas Unterberger, der generell eine einseitige bzw. selektive mediale Berichterstattung zu Lasten der Kirche oder christlicher Inhalte konstatierte. Obwohl es schwierig sei, eine Grenze zwischen möglicher Kritik und unzulässiger Herabwürdigung zu ziehen, herrsche dennoch ein Klima, in dem verbale Angriffe gegenüber Christen quasi folgenlos blieben, so Unterberger. Wenn man gegen andere Gruppen als Christen hetze, bekomme man ganz schnell ein großes Problem. "Hier wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen".

"Christianophobie" sei auch in Österreich zunehmend ein Thema, so Unterberger. Als Beispiel nannte der Publizist die im vergangenen Dezember entflammte Diskussion um konfessionelle Kindergärten. Aufgrund von problematischen Zuständen in islamischen Einrichtungen hätten politische Verantwortliche der Stadt Wien reflexartig auf die kirchlichen Kindergärten geschlossen, ohne dabei auf die Fakten und Realitäten einzugehen. Das zeige, dass Christen und christlichen Einrichtungen prinzipiell mit einem "Grundmisstrauen" entgegengetreten werde, so Unterberger.

"Christen können der Welt sehr viel geben"
Christen sollten sich angesicht des schwieriger werdenden Umfelds nicht als "Auslaufmodell" begreifen, sondern vielmehr als "kreative Minderheit" sehen, die viel bewirken könne, empfahl Kugler. "Wir müssen von der beleidigten Haltung wegkommen und aktiv werden". Dies sei nie einfacher als heute, auch durch die Möglichkeiten, die das Internet biete. Sie sei überzeugt, dass Christen der Welt sehr viel geben könnten, dafür brauche es aber einen "langen Atem" und "herausragende Persönlichkeiten".

Für Unterberger müssten die Christen wieder mutiger werden, denn mit Courage und Überzeugung könne man viel erreichen. Als langjähriger Medienverantwortlicher wisse er um den Stellenwert von Leserreaktionen. Ähnlich auch Kugler, die an die Adresse der zahlreich anwesenden Studenten und Akademiker zu mehr Eigeninitiative aufrief. Veranstalter der Diskussion, die von Kathpress-Chefredakteur Paul Wuthe moderiert wurde, war die katholischen Studentenverbindung "Rhaeto Danubia".

 

 

Quelle: kathpress

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