Montag 27. Februar 2017
18. Januar 2016

Der Eiserne Vorhang ist wieder da

Wiener Erzbischof fordert bei Pressekonferenz im Vatikan Politik mit Barmherzigkeit - Kritik am Rat der Europäischen Bischofskonferenzen

"Der Eiserne Vorhang ist wieder da, wenn auch auf andere Art und Weise", hat Kardinal Christoph Schönborn am Montag in einer Pressekonferenz im Vatikan betont. Der Wiener Erzbischof äußerte sich in seiner Funktion als Präsident für den Weltkongress und den Europakongress zum Jahr der Barmherzigkeit (World/European Apostolic Congress on Mercy WACOM;EACOM).

Auf die Frage von Journalisten, was getan werden könne, um Barmherzigkeit gegenüber Flüchtlingen und Migranten zu üben, die nach Europa strömen, sagte der Kardinal: "Die Kirche kann eine Menge tun, alle Politiker, die Glauben haben, können sehr viel tun."

"Wir dürfen nicht vergessen, dass Europa Blut und Tränen über Jahrhunderte wegen der Kriege unter Christen erlitten hat. Nun stehen wir vor der Herausforderung der Zuwanderer und Flüchtlinge von außerhalb. Sie ist groß, und die Gefahr ist, dass sich jetzt jeder in seinen Grenzen einschließt. Sie kehren zurück, die Grenzen, Schranken, Wände: der Eiserne Vorhang ist wieder da, wenn auch auf andere Art und Weise."

"Immigration ist eine große Herausforderung. Wir brauchen Vorsicht, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, um Ängste zu überwinden und die neuen Nationalismen, die überwunden schienen. Wir sind mitten in einer Welle der Neo-Nationalismen", so die Analyse des Kardinal.

Kritik übte er am Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE): "Die europäischen Bischöfe haben es nicht geschafft, ein gemeinsames Wort der Ermutigung zu verlautbaren. Der Rat habe es auch nicht zustande gebracht, die Ursachen für das, was ein europäisches Drama ist, zu analysieren - die Probleme im Nahen Osten und in Afrika."

"Gute Politik ist Werk der Barmherzigkeit"
Er sei überzeugt, dass "gute Politik ein Werk der Barmherzigkeit ist", betonte der Wiener Erzbischof. Als Reaktion auf Journalistenfragen, wie konkret Barmherzigkeit praktiziert werden könne, nannte der Kardinal Beispiele: "Der Kampf gegen die Korruption ist ein Werk der Barmherzigkeit, der Mut von Politikern, die unter Lebensgefahr gegen Korruption kämpfen, ist es."

Im politischen Bereich nannte Schönborn den Vater der europäischen Einigung, Robert Schumann, als Vorbild. Beim Barmherzigkeitskongress in Rom werde Pater Joseph Jost, Vize-Postulator des Schuman-Seligsprechungsprozesses, einen Vortrag in der Kirche Sant'Andrea della Valle über den französischen Politiker halten. Dies sei für den Tag der Eröffnung des Kongresses - 31. März - geplant.

"Schuman hat viel zu den Politikern in Europa über die Herausforderung der Flüchtlinge zu sagen. Er erlebte das Drama der Spaltung Europas und war ein Mann zweier Kulturen - der deutschen und französischen. Er vereinigt in seiner Person, vor allem in seinem Glauben, die beiden Kulturen und Empfindlichkeiten." Mit Alcide De Gasperi und Konrad Adenauer sei der Lothringer einer der großen Förderer der europäischen Integration gewesen. Sie sei "ein Projekt des Friedens und der Barmherzigkeit", betonte der Kardinal.

Fisichella stellt Europa-Kongress vor
Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, stellte bei der Presskonferenz den Europa-Kongress vor, der von 31. März bis 4.April in Rom stattfindet. Höhepunkt ist die Papstmesse am 3. April, dem "Sonntag der Barmherzigkeit".

Der Apostolische Weltkongress wird erst nach Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit stattfinden. Tagungsort ist von 16. bis 20. Jänner 2017 die philippinische Hauptstadt Manila. Die Treffen bestehen unter anderem aus Vorträgen, Gottesdiensten und Gebetswachen.

Kardinal Schönborn leitet als Präsident den Rat des Apostolischen Weltkongresses seit 2008. Die Zusammenkünfte fanden bereits drei Mal statt. Sie erinnern besonders an das Pontifikat von Johannes Paul II. (1978-2005), der ähnlich wie Papst Franziskus die Forderung nach Barmherzigkeit zu einem zentralen Thema seiner Amtszeit machte.

 

 

Quelle: kathpress
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