Freitag 23. Juni 2017
29. Januar 2016

Papst schafft noch vor Ostern Klarheit

Kurienerzbischof Paglia: Papstschreiben zur Familiensynode kommt noch im März - Korrespondentenbericht von Christoph Schmidt

"Der Ball liegt jetzt beim Papst", war nach der Synode zu Ehe und Familie allenthalben zu hören. Bis zuletzt war aber gar nicht hundertprozentig sicher, ob Franziskus den Ball auch spielen würde, sprich den Abschlusstext der Bischofsversammlung im Vatikan wie nach Synoden üblich zu einem eigenen nachsynodalen Schreiben umarbeitet. Das ist nun so gut wie amtlich.

Der Papst werde die sogenannte Apostolische Exhortation im März veröffentlichen, verkündete der Präsident des Päpstlichen Familienrats, Erzbischof Vincenzo Paglia, am Mittwoch bei einer Tagung im portugiesischen Albufeira. Damit würde nach zwei von teils heftigen Kontroversen geprägten Familiensynoden im Herbst 2014 und 2015 also bald das lehramtliche Fazit folgen.

Falls er überhaupt zur Feder greife, werde Franziskus den Text sicher zügig abschließen, hatte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bereits im Oktober erklärt. Eine päpstliche Stellungnahme müsse rasch kommen, sonst verliere sie an Kraft und Eindruck. Tatsächlich hatten manche Beobachter aber frühestens für den Sommer mit einer Veröffentlichung gerechnet.

Dass das Schreiben nun nach weniger als einem halben Jahr erscheinen könnte, liegt wohl zum einen an der Tatsache, dass Franziskus ein energischer Arbeiter ist, der die Dinge gern zügig erledigt. Zum anderen zeigt sich erneut, dass der Papst einen neuen kirchlichen Umgang mit Ehe und Familie zu einem Meilenstein seines Pontifikats machen will.

Es wäre auch schwer vorstellbar gewesen, dass Franziskus nach den beiden von ihm einberufenen Diskussionsmarathons nicht der Debatte am Ende den eigenen Stempel aufsetzen wollte. Während der zwei- beziehungsweise dreiwöchigen Synoden hatte er die Beratungen nur schweigend verfolgt - und dafür nicht nur Lob erhalten.

Welche Aussagen der Papst zu strittigen Punkten wie dem kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, Homosexuellen oder unverheirateten Paaren formuliert, das wird in den kommenden Wochen zu den spannendsten Fragen der Kommentatoren und Spekulatoren zählen. Das Abschlussdokument der 270 Synodalen, dessen Veröffentlichung Franziskus im Oktober ausdrücklich gewünscht hatte, enthält kaum konkrete pastorale Vorschläge und lässt vieles in der Schwebe.

Kritiker bezeichneten es bereits als ein eher halbherziges Kompromisspapier zwischen progressiven und konservativen Bischöfen. Andere wiederum betonten, die Synode habe durchaus Türen geöffnet und lasse dem Papst viel Spielraum, um sie zu durchschreiten. Eine ähnliche Offenheit, wie sie auch manche Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) enthielten - was bis heute zu Deutungsdebatten über den "Geist des Konzils" führt.

Am Ende entscheidet der Papst allein, inwieweit Paragrafen, die seinerzeit nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Teilnehmer erhielten, trotzdem in seinen eigenen Text einfließen; dazu könnte womöglich auch etwa ein von den deutschen Teilnehmern vorgeschlagenes Schuldeingeständnis der Kirche gegenüber Homosexuellen oder Geschiedenen gehören. Erzbischof Paglia ließ in Portugal lediglich wissen, er erwarte eine "Hymne der Liebe an die Familie" und das Zeugnis einer Kirche.

In seiner Abschlussrede an die Synodalen hatte Franziskus damals auch dezentrale pastorale Lösungen für knifflige Fragen in Erwägung gezogen. Die Synode, so der Papst weiter, habe gezeigt, "dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht jene sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern den Geist; nicht die Idee, sondern den Menschen; nicht die Formeln, sondern die unentgeltliche Liebe Gottes und seiner Vergebung". Ziel müsse sein, in einer historischen Phase der Entmutigung von Familien die Realität so zu sehen, wie sie ist - nicht wie sie sein sollte. Wie er sich das genau vorstellt und welche pastoralen Schlüsse er daraus gezogen hat, wird die katholische Welt möglicherweise noch vor Ostern erfahren.

 

 

Quelle: kathpress

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