Mittwoch 24. Mai 2017
01. Februar 2016

Gegen Bollwerkmentalität beim Thema Islam

Wiener Sozialethikerin: Recht auf Religionsfreiheit soll auch in Toleranz gegenüber Speisevorschriften zum Ausdruck kommen - Christen sollen Vermittler sein

Gegen jede "Bollwerkmentalität" im Verhältnis von Christentum und Islam hat sich die Wiener Sozialethikerin Ingeborg Gabriel ausgesprochen. Das hierzulande geltende Recht auf Religionsfreiheit soll ihrer Überzeugung nach auch in Toleranz gegenüber Speisevorschriften zum Ausdruck kommen, die für Muslime wie auch für Juden eine viel größere Bedeutung hätten wie für Christen. Polarisierungen, wie sie z.B. in der Auseinandersetzung rund um Halal-Fleisch bei der österreichischen Handelskette Spar geschürt wurden, "führen hier nicht weiter, ja sie verhärten die Fronten", warnte die Theologieprofessorin in ihrem Gastkommentar für die deutsche katholische Zeitung "Die Tagespost".

Im Dezember hatte es Aufregungen um dieses Fleisch-Angebot für die muslimische Community gegeben, erinnerte Gabriel. Ähnlich wie beim koscheren Fleisch im Judentum dürfen im Islam nur Tiere gegessen werden, die für den Konsum zulässig sind, regelgerecht geschlachtet wurden und nicht bereits verendet waren. Tierschützer und Islam-Gegner protestierten damals scharf, die Spar-Konzernleitung entschloss sich zu einer Rücknahme, was wiederum Proteste wegen des "Einknickens" zur Folge hatte. "Der Ton der Auseinandersetzung war alles andere als zivilisiert", erinnerte Gabriel.

Sie forderte zu religiöser Toleranz und Achtung des Glaubens Anderer und ihrer Lebensgewohnheiten auf. "Warum - so fragt man sich als ein neutraler Beobachter - sollte Spar nicht eine neue Produktpalette auf den Markt bringen und so neue Käuferschichten einer speziellen Religion ansprechen" - umso mehr, als das Schächten laut der Handelskette in einer nicht-tierquälerischen Weise erfolge, fragte die Theologin, die u.a. auch Vizepräsidentin von "Iustitua et pax"-Europa ist.

Säkulare Gruppen hätten generell wenig Verständnis für derartige religiöse Bräuche. Der christlichen Ethik und Praxis komme hier eine wichtige Vermittlerrolle zu, da sie in ihrer religiösen Tradition Anknüpfungspunkte fänden, "die den Respekt erleichtern".

Für eine Debatte "ohne Hysterie"
Laut Gabriel gelte es zur Kenntnis zu nehmen, dass europäische Kernländer bereits vor den Flüchtlingsströmen des Jahres 2015 zu Einwanderungsländern mit teils höheren Prozentsätzen an Zuwanderung als die klassischen Migrationsländer geworden seien. Diese Herausforderung verlange nach einer Debatte "ohne Hysterie". Konkret bedeutet das laut der Sozialethikerin Respekt vor religiösen Praktiken. "Diese Verpflichtung zur Achtung sollte nicht zu einer überzogenen Sicht der negativen Religionsfreiheit führen, die den Ausschluss religiöser Symbole und Handlungen aus dem öffentlichen Raum fordert, um niemandem Anlass zur Kritik zu geben." Als "kontraproduktiv" wertete Gabriel dabei auch das Verbot von Weihnachts-, Nikolo- oder Martinifeiern in Schulen und Kindergärten.

Kulturelle Unterschiede sollten im Geist wechselseitiger Großzügigkeit und Offenheit angesprochen werden, um sie zu verstehen, riet Gabriel weiter. Toleranz stelle "keine Einbahnstraße" dar. Und: Kriminelle Gewalttäter im Namen des Islam müssten entsprechend dem Strafrecht und ohne jede "Kriegsrhetorik" verurteilt werden.

 

 

Quelle: kathpress
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