Dienstag 25. April 2017
16. Februar 2016

Papst: Familie ist kein Auslaufmodell

Franziskus: Lieber eine verwundete Familie, die täglich den Ausdruck der Liebe versucht, als eine an Zurückgezogenheit und Bequemlichkeit erkrankte Gesellschaft

Papst Franziskus hat in Mexiko zum Glauben an die Familie aufgerufen. Heutzutage gelte die Familie vielen als überholte Lebensform, die keinen Platz mehr in der Gesellschaft habe, sagte er am Montag (Ortszeit) vor Tausenden Familien im südmexikanischen Tuxtla Gutierrez. Unter dem Vorwand der Modernität begünstige der Zeitgeist vielmehr ein auf Isolierung gegründetes Modell ohne Gemeinschaft und Solidarität. Dies erzeugt nach seinen Worten nur Einsamkeit und innere Unsicherheit. Damit der Traum von Familie nicht verloren gehen, bedürfe es gleichermaßen Unterstützungen durch Staat und Gesellschaft als auch den persönlichen Einsatz der Menschen.

Bei dem Treffen mit rund 50.000 Menschen im Baseball-Stadion der Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas hörten die Anwesenden zunächst Erzählungen von fünf Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen, darunter ein wiederverheiratet geschiedenes Paar, das vom Papst umarmt wurde, weiters auch eine alleinerziehende Mutter und ein von seinen Eltern begleiteter Junge mit Muskellähmung.

Zwar sei das Familienleben oft mühsam und voller Enttäuschungen, so das Kirchenoberhaupt. Neben dem Brot der Freude und der Hoffnung gebe es auch den Schweiß der täglichen Schwierigkeiten. Aber, so der Papst wörtlich: "Mir ist eine verwundete Familie, die alle Tage versucht, die Liebe in all ihren Formen und Zeiten auszudrücken, lieber als eine Gesellschaft, die an Zurückgezogenheit krankt und an der Bequemlichkeit, die sich davor fürchtet, zu lieben. Mir ist eine Familie, die ein ums andere Mal versucht, wieder neu zu beginnen, lieber als eine narzisstische und auf Luxus und Komfort versessene Gesellschaft. Mir ist eine Familie mit einem von der Hingabe ermüdeten Gesicht lieber als geschminkte Gesichter, die nichts wissen von Zärtlichkeit und Mitgefühl."

Eindringlich warnte der Papst davor, sich in Schwierigkeiten von anderen abzukapseln. Zwar könne der Mangel am Nötigsten schon zur Verzweiflung führen, räumte er ein. Isolierung sei dabei aber immer ein schlechter Ratgeber, der nur Vereinsamung und Unsicherheit bewirke: "Diese Haltung trocknet unsere Seele aus und zerfrisst sie wie eine Motte." Alleine zu sein und niemanden zum Reden zu haben, sei zudem auch für Jugendliche eine Gefahr, gegen die ein rechtzeitiges Gegenlenken nötig sei. "Eltern, redet und spielt mit euren Kindern!", appellierte der Papst.

Als Ausweg aus den schwierigen Lebensumständen forderte Franziskus einerseits mehr staatliche Hilfe für bedürftige Familien. Notwendig seien Gesetze, die ihnen das Existenzminimum und würdige Arbeit garantierten, damit sich die Menschen entfalten könnten. Materielle Unsicherheit bedrohe nicht nur den Körper, sondern auch die Seele, besonders wenn noch Kinder zu versorgen seien, unterstrich der Papst.

Daneben braucht es aus seiner Sicht aber auch den persönlichen Einsatz füreinander sowie das Bemühen mit Mut und Leibeskräften, das Familienleben zu meistern. Die Quelle dieses inneren Antriebs finde man in Gott, der selbst gar nicht anders könne, als sich mit allen Kräften um die Menschen zu bemühen, und der ihnen Mut zuspreche. Dazu gehöre auch, dass er sich ihnen in seinem Sohn Jesus offenbart und damit eine neue Dynamik in die Welt gebracht habe.

Mit seiner Dynamik könne Gott die Herzen, Verstand und Hände der Menschen öffnen, neue Horizonte aufzeigen und sei dazu imstande, "uns immer wieder einzuladen, siebzigmal siebenmal neu zu beginnen". Denn geglücktes Familienleben brauche auch Vergebung, verdeutlichte Franziskus an einem einfachen mexikanischen Paar im 50. Ehejahr, das sich dem Papst vorgestellt hatte und von ihm mehrfach umarmt wurde. "Ich habe sie gefragt, wer von beiden mehr Geduld mit dem anderen hatte. Sie sagten mir, beide", berichtete er in seiner Ansprache. Streit gehöre zum Familienleben dazu, wichtig sei es jedoch, einander jeden Abend aufs Neue zu vergeben, denn "wenn man mit Streit einschläft, wacht man im kalten Krieg auf. Und der kalte Krieg ist gefährlich für die Familie."

Ein kleines Mädchen schwindelte sich während der Feier durch die Absperrung und lief zum Papst, der die Kleine auf den Schoß setzte und mit ihr plauderte und scherzte; zu den bewegenden Momenten gehörte auch, als mit vereinten Kräften ein Kind im Rollstuhl auf die Papst-Tribüne gehoben wurde.

Franziskus brachte den ganzen Montag in Mexikos südlichstem und ärmstem Bundesstaat zu. Am Vormittag hatte er mit Indigenen eine Messe in San Cristobal de las Casas gefeiert. Am Abend brach er wieder zu seinem Nachtquartier in der Nuntiatur in Mexiko-Stadt auf. Für Dienstag (Ortszeit) stand die Visite der Stadt Morelia nordwestlich der Hauptstadt auf dem Programm, ehe es für Franziskus am letzten Besuchstag in die an der Nordgrenze gelegene Stadt Ciudad Juarez geht.

 

 

Quelle: kathpress

comments powered by Disqus
Fotogalerien zurück #weiter#
Hommage an Benedikt XVI.
Zum 90. Geburtstag
Bischöfe in Vorarlberg
Frühjahrsvollversammlung 2017
Bischof Scheuer im Irak
70 Jahre Kathpress
Festakt mit Promi-Faktor
Franziskus wird 80
Videos zurück #weiter#
image
Ein gemeinsamer Ostertermin
Vortrag vonProf Groen
image
Papst: Gebetsmeinungen
April 2017
image
Hommage an Benedikt XVI.
Zum 90. Geburtstag
image
The Story of Mary's Meals
image
Kreuzwegandacht 2017
Audio zurück #weiter#
Aussöhnung in Sicht?
Der Vatikan & die Piusbrüder
"Kein Wahlkampfmodus"
Landau zur Kritik an NGOs
Interreligiöser Dialog
Statement von Kardinal Schönborn
Fischer predigt
Ehemaliger Bundespräsident
Kardinal Schönborn
Wissenschaft und Glaube
Tipps
Ordens-ABC
Die Ordensgemeinschaften Österreichs im Überblick
Woanders zurück #weiter#
April 2017
Die katholisch.at-Presseschau
März 2017
Die katholisch.at-Presseschau
Februar 2017
Die katholisch.at-Presseschau
Jänner 2017
Die katholisch.at-Presseschau
Dezember 2016
Die katholisch.at-Presseschau
Blogportal
Paul Wuthe | 05.04.2017

Das Kreuz soll bleiben

Warum das Kreuz im Gerichtsaal die Unabhängigkeit der Rechtssprechung nicht...
Ulrike Hofstetter | 28.12.2016

Mundgerechte Happen - schwer verdaulich

Meine Freundin Frieda hat jetzt eine neue App auf ihrem Handy. Eine Bibel App.
Paul Wuthe | 14.12.2016

Katholische Kirche Anno Domini 2016

Ökumene, Familie, Flüchtlinge, Barmherzigkeit und Kirchenreform - die großen...
Kalender
25.04.2017 | 09:00 | Linz
PH forscht II
Wissenschaftliche Tagung   Diese wissenschaftliche Tagung bietet die Möglichkeit,... mehr »
25.04.2017 | 14:30 | Klagenfurt
Seniorentreffen
25.04.2017 | 17:00 | Graz
Bibel teilen mit PA Elfriede Demml
Medienreferat der
Österreichischen
Bischofskonferenz

Stephansplatz 4/6/1
A-1010 Wien
©2017 Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz. Alle Rechte vorbehalten.
http://www.katholisch.at/
Darstellung: