Montag 5. Dezember 2016
14. März 2016

Kirchen setzen starkes ökumenisches Zeichen

Vor 50 Jahren sprach Salzburger Erzbischof Rohracher historische Vergebungsbitte für Protestantenvertreibung im 18. Jahrhundert

Bischof Michael Bünker, Erzbischof Franz Lackner und Superintendent Olivier Dantine

Mit einem Symposion und einem ökumenischen Dankgottesdienst haben die katholische und evangelische Kirche am Sonntag in der evangelischen Christuskirche in Salzburg an ein historisches Ereignis erinnert, das das Verhältnis der Kirchen zueinander wesentlich geprägt hat: 1966 hatte der damalige Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher die evangelischen Christen um Vergebung für die Protestantenvertreibung von 1731/32 gebeten. Anlass für die Vergebungsbitte des Erzbischofs war die Amtseinführung des ersten evangelischen Superintendenten der neu eingerichteten Superintendenz Salzburg und Tirol am 27. März 1966. Nun erfolgte die offizielle Annahme der Vergebungsbitte durch die evangelische Kirche.

Dem ökumenischen Gottesdienst am Sonntag standen der lutherische Bischof Michael Bünker und der Salzburger Erzbischof Franz Lackner gemeinsam vor. Lackner zeigte sich erfreut über die Annahme der Vergebungsbitte. Er sei "dankbar für die Prozesse des ökumenischen Miteinanders in den letzten 50 Jahren". Zu Beginn des Symposiums, das dem Gottesdienst voranging, hatte der Erzbischof erklärt: "Man muss an dieser Stelle auch die Frage zulassen, ob es überhaupt möglich ist, Verbrechen, die von anderen zu anderen Zeiten begangen worden sind, zu verzeihen." Freilich sei es möglich, "auf Seiten der Schuldigen für erlangte Schuld um Verzeihung zu bitten". Das habe Erzbischof Rohracher getan.

Bischof Bünker sprach am Rande der Veranstaltung im "Kathpress"-Gespräch von einem "bedeutenden Zeichen für das neue Miteinander der Kirchen und das generell gute ökumenische Klima in Österreich". Der damalige evangelisch-lutherische Bischof Gerhard May habe sich vor 50 Jahren für das Aussprechen der Vergebungsbitte zwar bedankt, der evangelischen Kirche sei es aber wichtig, ein offizielles Zeichen der Annahme der Vergebungsbitte zu setzen.

"Wir sagen heute im Namen der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich: Wir nehmen die Bitte um Vergebung an", so Bischof Michael Bünker im Gottesdienst, wie der Evangelische Pressedienst (epdÖ) berichtete. Auch die evangelische Kirche habe Schuld auf sich geladen, heißt es in der Annahme der Vergebungsbitte, die Superintendent Olivier Dantine verlas. Dies sei auch dadurch verdunkelt worden, dass sich Evangelische gerade im heutigen Österreich oft in erster Linie als Opfer von Unrecht gesehen hätten. Mittlerweile habe die evangelische Kirche die Nachfahren der Täuferbewegung für die blutige Verfolgung, die eben auch von Evangelischen betrieben wurde, um Vergebung gebeten.

"Gemeinsames Streben nach Einheit erschwert"
Gegenüber der römisch-katholischen Kirche habe sich die evangelische Kirche allzu oft durch Abgrenzung bis hin zur Abwertung und durch eine polemische, manchmal auch verzerrte Wiedergabe deren Lehre zu profilieren versucht. "Wir bedauern, dass dadurch das gemeinsame Streben nach Einheit erschwert wurde", so die Evangelische Kirche. Heute verbinde die Kirchen mehr, als sie trenne: "Für die Beziehung der christlichen Kirchen in Österreich untereinander hoffen wir auf eine Fortführung des Weges der Versöhnung und wollen uns dafür einsetzen", heißt es weiter in dem offiziellen Text, den Bischof Bünker gemeinsam mit Oberkirchenrat Karl Schiefermair und Superintendent Olivier Dantine unterzeichnete.

Dem Gottesdienst standen neben Bünker, Lackner und Dantine u.a. auch die evangelisch-methodistische Pastorin Esther Handschin, der altkatholische Generalvikar Martin Eisenbraun, der rumänisch-orthodoxen Erzpriester Dumitru Viezuianu und Max Aicher von der Pfingstgemeinde vor.

Ökumenisches Symposion
Das Vatikanische Konzil habe Erzbischof Rohracher "tiefgreifend verändert", erklärte die evangelische Theologin Prof. Susanne Heine in ihrem Eröffnungsreferat beim Symposion, das dem Gottesdienst voran ging. Das von Papst Johannes XXIII. einberufene Konzil war, so Heine, "von ökumenischem Geist getragen", auf Erneuerung der römisch-katholischen Kirche ausgerichtet und hatte Vertreter der Kirchen der Reformation als Beobachter eingeladen. Das Konzil habe einen "überaus bedeutsamen Anfang für Verständigung und Frieden gesetzt", Evangelische und Katholiken hätten seitdem "gemeinsam einen neuen Weg beschritten". Das gemeinsame Abendmahl sei allerdings noch immer nicht möglich. "Aber kommt es nicht erst dann zur Versöhnung, wenn wir gemeinsam vor dem Tisch des Herrn stehen und einander die Hand reichen?", fragte die evangelische Theologin kritisch an.

Rohrachers Einstellung zur Ökumene spürte der Salzburger Kirchenhistoriker Dietmar Winkler nach. Schon vor dem Konzil ließen sich durchaus ökumenische Ansätze bei Rohracher erkennen, dennoch habe das Konzil dann bei Rohracher eine "ökumenische Wende" bewirkt. Zudem habe die vertrauensvolle Beziehung zwischen dem vormaligen Salzburger Pfarrer und späteren Superintendenten Emil Sturm und dem Salzburger Erzbischof Andreas Rohracher eine wichtige Rolle gespielt, denn "ohne gegenseitiges Vertrauen ist kein Zueinanderfinden möglich", sagte Winkler.

Zu Wort kamen beim Symposium auch Zeitzeugen, darunter der frühere Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche, Herwig Sturm, Sohn des damaligen Superintendenten Emil Sturm, und Prälat Johannes Neuhardt. Beide unterstrichen das starke Engagement von Rohracher und Sturm in der Flüchtlingsfrage. Rohracher, so Neuhardt, habe ein "große Veränderung" durchlebt und nach dem Konzil deutlich gemacht, "dass das enge konfessionelle Denken der Vergangenheit angehört". Als "großes Geschenk der Vergebungsbitte" bezeichnete Altbischof Herwig Sturm die Tatsache, "dass wir seitdem gemeinsam über unsere Geschichte reden können, ohne zu befürchten, dass es beim Anderen Verletzungen gibt".

"Die Scham, dass so etwas in unserem Land geschehen ist, macht betroffen", sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer zur Vertreibung der Protestanten im 18. Jahrhundert. Mit der strikten Trennung von Staat und Religion sei ein "wichtiger Schritt in der Kultur der Menschheit" erreicht worden. Das Vermengen von Staat und Kirche, die Monopolisierung von Religion als Zwang und Druck "war und ist immer eine Fehlentwicklung", so der Landeshauptmann. Der Staat habe für die freie Religionsausübung zu sorgen, die Säkularisierung sei ein "wichtiger Wert bei aller Religionsverbundenheit".

Ein Empfang im Schloss Mirabell beschloss die Veranstaltung, die auch im Zeichen des Jubiläums "50 Jahre Evangelische Superintendenz A.B. Salzburg und Tirol" stand und zu der die evangelische Diözese gemeinsam mit dem Ökumenischen Arbeitskreis Salzburg eingeladen hatte.

22.000 Protestanten vertrieben
Die große Welle der Protestantenvertreibungen fand unter Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian statt, der 1731/32 rund 22.000 Salzburger Lutheraner ("Salzburger Exulanten") des Landes verwies. Die Vertriebenen stammten vorwiegend aus dem Pongau und dem Pinzgau. Knapp zwei Drittel aller Bauernhöfe in den beiden Gebirgsgauen blieben verwaist zurück, was den größten Bevölkerungsverlust bedeutete, den Salzburg je erfahren hatte. Viele Exilanten fanden Aufnahme in einigen Freien Reichsstädten und in den Niederlanden. 15.000 Salzburger fanden Aufnahme bei König Friedrich Wilhelm von Preußen, der sie in Ostpreußen ansiedelte, andere emigrierten nach Nordamerika und beteiligten sich an der Gründung der Kolonie Georgia.

 

 

Quelle: kathpress

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