Wednesday 1. June 2016

Ökumene & Dialog

Die Zusammenarbeit der Kirchen kann in Österreich schon auf eine längere Tradition zurückblicken und funktioniert im internationalen Vergleich sehr gut. Im "Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich" (ÖRKÖ), der seit 1958 besteht, sind derzeit 16 Kirchen vertreten. Gemeinsame Gottesdienst zu bestimmten Anlässen wie der "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" oder gegenseitige Einladungen zu großen Festen sind längst Alltag geworden. Darüber hinaus arbeiten die Kirchen aber auch ganz konkret im Rahmen verschiedener Projekte zusammen: von lokalen Initiativen zwischen einzelnen Pfarren, die etwa eine gemeinsame Kirchenzeitung herausgeben, bis zu großen österreichweiten Projekten.

 

Europaweit einzigartig ist beispielsweise die Kirchlich-Pädagogische Hochschule Wien/Krems, die von mehreren Kirchen gemeinsam getragen wird und u.a. für die Ausbildung der Religionslehrer zuständig ist. Die "Lange Nacht der Kirchen", zu der jedes Jahr im Frühsommer mehr als 600 Kirchen vom Boden- bis zum Neusiedlersee ihre Tore öffnen, ist seit Jahren ebenfalls ein bewährtes ökumenisches Projekt.

 

Seit 1. Dezember 1994 ist die römisch-katholische Kirche in Österreich – anders als in anderen Ländern - ordentliches Mitglied im hiesigen Ökumenischen Rat, nachdem sie vorher schon seit 1970 als Beobachter aktiv und konstruktiv mitgearbeitet hatte. Vertreter der einzelnen Kirchen betonen stets das gute persönliche Klima und die konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Kirchen, freilich kann die Situation in Österreich nicht losgelöst von der übrigen Welt betrachtet werden.

 

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

 

Vom Ziel der Ökumene, der Einheit aller Christen, sind die Kirchen noch weit entfernt, ja es besteht auch keine Einigung darüber, wie diese "Einheit in Verschiedenheit" überhaupt aussehen soll. Besonders betroffen davon sind jene Ehepaare, wo die Partner verschiedenen Kirchen angehören und sich wünschen, gemeinsam Eucharistie/Abendmahl zu feiern.

 

Der Dialog mit Menschen, die sich zu anderen Religionen bekennen, ist in unserer Welt zu einer Grundvoraussetzung friedlichen Miteinanders geworden. Es ist notwendig, zu wissen, welche religiösen Traditionen, Sitten und Bräuche das Leben des Nachbarn bestimmen. Gleichzeitig ist jede und jeder herausgefordert, Rechenschaft über die eigene Religiosität ablegen zu können. Das Ziel des interreligiösen Dialogs ist es, trotz aller Unterschiede gemeinsame Ziele und Werte des Zusammenlebens zu finden. Schließlich ist es jeder Religion eigen, zu einer friedlicheren und menschlicheren Welt beitragen zu wollen.

 

Im Zweiten Vatikanischen Konzil hat die katholische Kirche im Dokument "Nostra Aetate" im Blick auf die anderen Religionen festgehalten: "Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet." Eine besondere Stellung nimmt für die Kirche die jüdische Religion ein: ist das Judentum doch jene Religion, in der das Christentum seine Wurzeln hat.

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